Glück im Unglück am Außenspiegel – und warum es mehr lehrt, als man denkt

von Klaus Nedeljković

Das folgende Szenario kommt dem einen oder anderen vielleicht bekannt vor – sofern man überhaupt noch ein Auto besitzt und es irgendwo im privaten oder öffentlichen Raum abgestellt hat. Und sei es nur, um eine potenzielle Einsatzbereitschaft zu gewährleisten, falls die Fahrt doch einmal mit der Umwelt und dem eigenen Geldbeutel vereinbar sein sollte. Ein eher unwahrscheinlicher Fall, doch genau dieser trat bei mir ein.

Was passiert ist? Ich näherte mich meinem Fahrzeug und betrachtete es aus einer Perspektive, die ich für gewöhnlich nicht einnehme. Diese ungewohnte Sicht erlaubte eine Wahrnehmung, auf die ich am liebsten verzichtet hätte: Mein Blick fiel auf einen Schaden. Ein hässlicher Kratzer am rechten Außenspiegel – ein Anblick, mit dem man schlichtweg nicht leben kann.

Glücklicherweise muss man das auch nicht, da sich so etwas gegen ein entsprechendes Entgelt beheben lässt. Doch genau diese Aussicht ließ mich innerlich panisch aufschrecken. Eine blitzschnelle Recherche und Kalkulation der Kosten für diesen „Pillepalle-Kratzer“ ergab: Bestenfalls sind nur 150 bis 250 Euro fällig.

Halt! Wo ist der Verursacher, wenn ich es nicht selbst war? Aber was, wenn ich es doch war? Der Gedanke blieb haften, denn ein persönliches Missgeschick ist schließlich schnell passiert. Da sich keine geständige Person finden ließ, ging ich davon aus: Ich selbst bin der Täter in diesem Schlamassel und muss nun dafür geradestehen. Oje, das Drama nahm seinen Lauf.

Dann jedoch eine Eingebung: Vielleicht helfen ja ein wenig Zauberkraft und meine „Wunderhände“. Gesagt, getan – ich strich über die Stelle. Ergebnis: keine Wunderheilung. Da ich aber weiß, wie man kratzt, setzte ich einen Fingernagel an und schrubbte vorsichtig über die Schadensstelle. Die Erfahrung sagte mir zwar, dass ich es damit wahrscheinlich nur verschlimmern würde – wie bei einem Fleck, den man mit Gewalt übereifrig entfernen will –, doch plötzlich siegte die Realität über meine Befürchtungen.

Weißer Lack - eben passend zum Auto! Da war er, wunderschön anzusehen. Vor allem, weil ich ihn unter dieser gräulichen, grundiert wirkenden Schicht gar nicht erwartet hatte. Der Schaden war überhaupt nicht von Dauer. In diesem Moment fühlte ich mich nicht nur wie ein Wunderheiler, sondern wie ein Superheld mit unglaublichem Reichtum – schließlich hatte ich gerade mindestens 150 Euro gespart.

Vielleicht kennst du das auch aus deinem Arbeitsalltag: Ein vermeintliches Problem wirkt erst riesig, doch mit dem richtigen Fokus entpuppt es sich als Kleinigkeit. Genau hier setzen wir im Coaching an - vorausgesetzt, es ist genau dein Thema und du möchtest es.